Kultursensible Pflege
In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird in den nächsten Jahren der Anteil der Patienten und Bewohner, die aus anderen Kulturkreisen kommen, stark zunehmen. Dies begründet sich in der
Alterstruktur. Der größte Teil der Mirganten kam zwischen Mitte der 50er und Anfang der 70er Jahre nach Deutschland, um den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen - zunächst war diese Maßnahme
vorübergehend geplant, doch aus "Gastarbeitern" wurden Immigranten.
Die Pflege dieser Menschen stellt für das Pflegepersonal eine große Herausforderung dar, da oftmals ein Unverständnis für die fremde Kultur vorliegt - und zwar beiderseits. Einen Patienten oder
Bewohner unter Berücksichtigung seines kulturellen Hintergrundes zu pflegen, erfordet ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und Toleranz gegenüber dem Unbekannten oder dem Neuen. Liegen diese
Voraussetzungen nicht vor und zeigt der Pflegende kein Interesse an der Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse (kulturell, religiös oder spirituell bedingt) des Patienten oder Bewohners,
entstehen schnell Missverständnisse, welche den Prozess der Genesung, die Pflege an sich oder den Aufenthalt nachhaltig behindern. Mirganten verstehen dies dann oftmals als Diskriminierung. Ein
zentrales Thema ist hierbei (und auch generell) die Patientenorientierte Pflege. Fehlende Rücksichtnahme auf kulturelle und religiöse Unterschiede ist keine Frage mangelnder Integration, sondern
Ausdruck einer Pflege, die sich vom Menschen und der Menschlichkeit entfernt.
Wie wird kultursensibel gepflegt?
Eine Anleitung kann nicht gegeben werden, hier ist die Eigenverantwotung, die soziale Kompetenz und die Toleranz des Pflegenden gefragt. Es ist sehr wichtig, zwischen Kultur, Religion und
Nationalität zu unterscheiden. Nicht jeder in der Türkei Geborene ist automatisch ein Moslem. Nicht jeder Moslem lebt auch automatisch streng nach dem Koran. Oftmals verschwinden die Grenzen, gerade
zwischen Religion und Kultur. In vielen Staaten hat die Religion einen so tiefreichenden Status, das z.B. in Malaysia zwei Rechtssysteme nebeneinander existieren. Viele der als religiös angesehenen
Unterschiede stellen sich jedoch bei näherer Betrachtung als Traditionen, bzw. Gewohnheiten kultureller Natur heraus. Wobei sich dann die Frage stellt, warum Unterschiede zwischen Kultur, Religion,
Tradition und Gewohnheit zu machen?
Am Anfang steht oftmals Unsicherheit auf beiden Seiten. Die zu Pflegenden kennen sich in der deutschen "Pflegewelt" nicht aus und haben keine oder nur wenig Kenntnisse über Abläufe und Leistungen.
Die Sprache stellt häufig auch eine Barriere dar. Das Allerwichtigste, das vom Pflegepersonal angeboten werden kann (muss) ist die Beratung und die Gespräche mit den Angehörigen und dem
Patienten/Bewohner selbst.
Ausserdem sollte das Pflegepersonal auf keinen Fall den Fehler machen, sich nur auf Angaben aus der Aufnahme zu verlassen. Meist steckt ja nur der gute Wille dahinter, aber nicht jeder
Patient/Bewohner der als Konfession Katholisch angab, möchte auch Sonntags um 9:00 in die Kapelle zum Gottesdienst "geschleppt" werden.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein Patient/Bewohner aus einem fremden Kulturkreis in der selben Art und Weise zu pflegen ist wie einer aus dem bekannten (eigenen). Seine Wünsche/Bedürfnisse
werden in der Pflegeanamnese erfragt und gesammelt und auf Basis dieser Informationssammlung wird eine individuelle Pflegeplanung erstellt, die den Patienten/Bewohner, die Mitarbeiter der Pflege, die
Therapeuten und die Ärzte zufriedenstellt. In der Pflege gilt der Pflegeprozess für alle Menschen!
Pflege für Ihr Wohlbefinden!
